Preemption-Rechte: Was ist das? Sollte ich diese nutzen?

Die Meinungen zu Preemption-Rechten gehen auseinander. Manche Investoren argumentieren, dass sie fast ausschließlich einmalig in ein Startup investieren und anschließend meist keine Folgerunden machen. Andere Investoren wiederum nutzen und überzeichnen ihre Preemption-Rechte. Nachfolgend meine Gedanken zu diesem Thema.

Ebenfalls argumentieren einige Investoren, dass Preemption-Rechte nur für Großinvestoren interessant seien, die z.B. einen kontrollierenden Anteil am Startup halten (> 25%) und in Folgerunden sicherstellen wollen, diesen weiterhin zu behalten.

Doch der Reihe nach:
Was sind Preemption-Rechte?
Preemption-Rechte sind ein Vorkaufsrecht für eine Folgebeteiligung an einem Startup in einer neuen Finanzierungsrunde. Diese Preemption Rechte können also Investoren eingeräumt werden, die bereits in einer früheren Runde in ein Startup investiert haben. Typisch sind „pro rata“ Rechte, die also bestehenden Investoren erlauben in einer Folgerunde Ihren %-Anteil am Unternehmen konstant zu halten, indem sie nachinvestieren. Den prozentualen Anteil konstant zu halten bedeutet, der Verwässerung entgegenzuwirken, die durch die neu ausgegebenen Anteile der neuen Runde hervorgerufen wird.

Zahlenbeispiel Verwässerung und Preemption:
Ein Investor hat in einer Seed-Runde EUR 10k investiert zu einer Post-Money-Bewertung von EUR 1MM. Er besitzt also 1% der Anteile an diesem Startup.
Diese Firma führt ihre Series A Investmentrunde durch, zu einer Pre-Money Bewertung von EUR 3,4MM bei einer Rundengröße von EUR 600k neuem Kapital. Dies ergibt eine Post-Money-Bewertung von EUR 4MM. 600k von 4MM sind neu ausgegebene Anteile. Die Verwässerung beträgt also 15%. Somit besitzt der Investor jetzt nur noch 0,85% (1% * 0,85) der Anteile an dem Startup, sofern er nicht an der neuen Kapitalrunde teilnimmt.
Pro-rata Preemptionrechte erlauben dem Investor einen Betrag von EUR 6k nachzuinvestieren, um weitere 0,15% des Startups zu erwerben, so dass er weiterhin 1% der Unternehmensanteile hält.

Preemptionrechte sind immer nur eine Option für den Investor, nie eine Verpflichtung weiteres Kapital zu investieren. Zudem verlangen inbesondere professionelle Kapitalgeber/ VCs manchmal, die gesamte neue Finanzierungsrunde durchzuführen, um sich einen bestimmten Prozentsatz am Startup zu sichern. Dies kann dazu führen, dass als Teil der neuen Finanzierungsrunde eine Zusatzvereinbarung aufgesetzt wird, welche die Preemptionrechte der Altinvestoren nachträglich außer Kraft setzt. Diese Vereinbarung muss von der Mehrheit der bestehenden Stimmanteile gebilligt werden, damit diese bestandskräftig wird. Die Außerkraftsetzung wird ebenfalls bei Companies House veröffentlicht, so dass dies öffentlich nachzuvollziehen ist.

Sind Preemptionrechte wichtig?
In VC-Kreisen ist die Meinung relativ eindeutig: Kämpfe immer für pro-rata Rechte. Besonders wichtig wird diese Option, wenn ein Startup außerordentlichen Erfolg hat. Wenn eine Unternehmensbewertung um Faktor 100x oder mehr steigt und ein neues Einhorn/ Decacorn (Unternehmen mit Bewertung von > EUR 1 Mrd./ 10 Mrd.) geboren wird gibt es oft so großes Interesse, dass pro-rata Rechte auch weiterverkauft werden können. Wer das nächste Uber oder Tesla gefunden hat, der will sicher seinen Prozentanteil am Unternehmen halten. In so einem Fall könnte zusätzliches Kapital von befreundeten Investoren zugeführt werden, da mit steigender Bewertung teils große Summen aufgebracht werden müssen, um pro-rata Rechte wahrzunehmen.

Wie häufig nutzt du Preemptionrechte?
Dafür gibt es keine pauschale Antwort. Zu jeder Finanzierungsrunde schaue ich mir die Kennzahlen und Unternehmensentwicklung an. Zukunftspläne, neue Unternehmensbewertung und Multiples des Startups werden erneut berechnet. Ebenfalls sind die Zielerreichung und die Performance der Vergangenheit interessant, um Rückschlüsse auf die mögliche zukünftige Performance ziehen zu können.

Eine Preemptionrunde hat eine Besonderheit: Ich kenne das Unternehmen bereits! Mir ist bekannt, wie häufig und detailliert das Startup Investorenberichte zur Verfügung gestellt hat. Regelmäßig? Pünktlich und im vereinbarten Umfang? Inklusive Kennzahlen oder nur Marketing Prosa? Wie gesprächsbereit ist das Gründerteam zusätzliche Fragen von Investoren zu beantworten? Besonders in UK sind regelmäßige Folgerunden weit verbreitet. Nach 12-24 Monaten gibt es oft die Chance erneut zu investieren.

Heute investiere ich selten große Beträge in einer ersten Runde. Natürlich hat dies Risiken: Die Bewertung in der Folgerunde könnte schon „davongelaufen“ sein, wenn sich das Unternehmen gut entwickelt. In Summe überwiegen für mich aber die Vorteile einer Folgerunde. Ein Gründer, der bisher souverän berichtet hat, wird dies in der Regel auch weiterhin tun. Und nur ein solches Startup kann ich einschätzen. Fehlende oder unpünktliche und nichtssagende Investorenupdates verhindern meist ein Folgeinvestment meinerseits. Die Gefahr ist, dass dieselbe, schlechte Kommunikation auch Unternehmensintern stattfindet. Oder das Unternehmen hat eben keine Kennzahlen zu berichten, da es schleppend oder schlecht läuft.

Durch größere Investments in Folgerunden werden die Positionen der potenziellen Gewinnerunternehmen vergrößert. VCs reservieren teils bis zu 65% Ihrer Gelder aus einem Fonds allein für Folgeinvestments.

Wenn ich wirklich der Überzeugung bin, einen Gewinner und/ oder ein zukünftiges Einhorn gefunden zu haben, dann versuche ich häufig sogenannte „super pro rata“ Rechte zu nutzen, also nicht nur meinen prozentualen Anteil konstant zu halten, sondern diesen sogar noch zu erhöhen. Diese Entscheidung sollte immer auch die neue Bewertung mit berücksichtigen. Kürzlich habe ich mich entschieden, meine Beteiligung am Cargo E-Bike Unternehmen EAV (Electric Assisted Vehicles) massiv auszubauen. In diese Runde konnten nur Bestandsinvestoren investieren. Hier zahlt es sich manchmal aus auch nur einen einzelnen Anteil zu besitzen, da dies die Eintrittskarte für die Teilnahme an einer Folgerunde sein kann. Im oben genannten Fall standen die Zeichen aus meiner Sicht einfach zu gut: Ein zukunftsorientiertes Geschäftsmodell, ein starkes Startupteam, vorhandene Erfolge und Pilotprojekte mit großen Konzernen sowie der Einstieg des in Hong Kong ansässigen VCs H+ Partners, die sich einen 15% Anteil an EAV gesichert haben. Die Strategie eines einzelnen Anteils als Eintrittstickets ist risikobehaftet, da eine „super pro rata“ Beteiligung (der Ausbau des eigenen Prozentanteils am Startup) nicht garantiert ist. In manchen Fällen wird somit das eigene Folgeinvestment von Seedrs und dem Startup auf die entstandene Verwässerung begrenzt, so dass eben nur ein einzelner zusätzlicher Anteil nachgezeichnet werden kann.

Kommentiert gerne:
Wie handhabt ihr die Beteiligung an Folgerunden? Welche weiteren Aspekte sind zum Thema Preemption-Rechte wichtig?

Philip

Seit 2014 investiere ich in Startups. In den letzten Jahren ist mein Portfolio auf über 150 Beteiligungen verschiedener Größe gewachsen. Auf meinem Blog berichte ich regelmäßig über Crowdinvesting und meine Investments.

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